Die Schilddrüse ist eine endokrine Drüse am unteren Hals: Sie produziert die Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4), die Signale im ganzen Körper aussenden.
Diese Schilddrüsenhormone tragen zur Regulierung des Stoffwechsels und der Körpertemperatur sowie zur Verdauung und zum Wachstum bei.
In manchen Fällen ist die Hormonproduktion gestört und führt zu zwei Arten von Erkrankungen:
- die Hypothyreose, wenn die Hormonproduktion unzureichend ist. Der Stoffwechsel verlangsamt sich und führt zu Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit oder Gewichtszunahme.
- die Hyperthyreose, wenn die Produktion übermäßig ist. Der Stoffwechsel beschleunigt sich und kann Nervosität, Gewichtsverlust oder Herzklopfen verursachen.
Je nach Störung ist eine medizinische Behandlung erforderlich.
Auch wenn sie allein eine Schilddrüsenstörung nicht beheben kann, kann die Ernährung die Hormonproduktion unterstützen, bestimmte Ungleichgewichte begrenzen … oder im Gegenteil die Symptome verschlimmern.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Lebensmittel bei Hyperthyreose oder Hypothyreose gemieden werden sollten? Ich habe die Studien zu diesem Thema analysiert.
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1. Kreuzblütler: Lebensmittel, die bei Hypothyreose eingeschränkt werden sollten?

Lebensmittel mit sogenannter „strumigener Wirkung“ enthalten Verbindungen (Glukosinolate), die die Nutzung von Jod durch die Schilddrüse beeinträchtigen könnten.
Dazu gehören im Wesentlichen Kreuzblütler wie Kohl, Brokkoli, Blumenkohl, Steckrübe oder auch Radieschen.
Bei Menschen mit Hypothyreose oder Jodmangel könnte ein übermäßiger Verzehr theoretisch die Produktion von Schilddrüsenhormonen bremsen.
Tatsächlich verändert das Kochen jedoch die Struktur der strumigenen Verbindungen und tendiert dazu, ihre biologische Aktivität zu verringern. Mit anderen Worten: Die strumigene Wirkung bleibt gering, insbesondere wenn parallel eine ausreichende Jodzufuhr besteht.
Ohne sie vollständig zu streichen, wird empfohlen, den Verzehr strumigener Lebensmittel in roher Form zu begrenzen.
2. Soja und Sojaprodukte: Vorsicht bei Hypothyreose

Soja enthält Isoflavone, insbesondere Genistein, eine Verbindung, die mit der Schilddrüse interferieren kann.
Laut einigen Studien könnte Soja eine strumigene Wirkung haben, indem es die Thyreoperoxidase (TPO) hemmt, ein für die Synthese der Schilddrüsenhormone essentielles Enzym. Es ist wichtig zu beachten, dass dieser Mechanismus in vitro beobachtet wurde und dass weitere Studien sinnvoll wären.
Eine weitere Übersichtsarbeit hebt hervor, dass dieser Effekt vor allem bei Jodmangel oder bei Patienten mit Hypothyreose problematisch ist. Außerdem kann Soja die Aufnahme von Levothyroxin verringern, was bei einigen Patienten eine Anpassung der Behandlung erforderlich machen könnte.
3. Jod: unverzichtbar … aber ein zweischneidiges Schwert

Jod ist ein unverzichtbares Element für das gute Funktionieren der Schilddrüse, da es für die Synthese der Schilddrüsenhormone notwendig ist. Ein Mangel kann zu einer Hypothyreose führen, aber auch ein Überschuss kann die Drüse stören.
Bei Hypothyreose kann es daher sinnvoll sein, jodreiche Produkte wie Algen (zum Beispiel in Flockenform), Nahrungsergänzungsmittel oder auch bestimmte Meeresfrüchte zu verzehren.
Ein Jodzufuhr sollte jedoch ausgewogen bleiben: Ein Überschuss kann bei Hyperthyreose problematisch sein und bei manchen Menschen mit Hashimoto-Thyreoiditis. Im Zweifelsfall sollten Sie mit Ihrer Gesundheitsfachkraft darüber sprechen.
Hier ist eine interessante Tatsache: Eine Studie hat gezeigt, dass eine übermäßige Jodzufuhr auch das Risiko für Hypothyreose erhöhen könnte, insbesondere für autoimmun bedingte.
4. Hochverarbeitete Lebensmittel: ein indirekter verschlimmernder Faktor

Ultraverarbeitete Produkte wirken nicht direkt auf die Schilddrüse, sollten jedoch bei einer Störung eingeschränkt werden.
Sie schaffen ein Umfeld, das Fehlfunktionen begünstigt:
- hoher Zuckergehalt, was Stoffwechselstörungen begünstigt,
- Überschuss an Natrium,
- unzureichende Zufuhr von Mikronährstoffen (einschließlich Jod),
- Vorhandensein von Zusatzstoffen, deren langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit noch immer diskutiert werden.
Alle diese Faktoren stehen nach mehreren Arbeiten mit einem niedriggradigen Entzündungszustand in Verbindung und schaffen einen Nährboden für die Entwicklung von Autoimmunerkrankungen wie der Hashimoto-Thyreoiditis.
Dennoch wurde kein direkter Nachweis zwischen Schilddrüsenerkrankungen und ultraverarbeiteten Lebensmitteln erbracht.
Es wird daher empfohlen, diese Lebensmittelkategorie einzuschränken, ohne sie zu verbieten, zugunsten hochwertiger naturbelassener Produkte.
5. Gluten: vor allem bei Autoimmunerkrankungen

Gluten wird bei Schilddrüsenstörungen oft thematisiert. Dennoch betrifft der Zusammenhang zwischen Gluten und Schilddrüse vor allem Autoimmunerkrankungen wie die Hashimoto-Thyreoiditis. Er wird insbesondere bei gleichzeitig bestehender Zöliakie beobachtet, aufgrund einer gemeinsamen autoimmunen Veranlagung.
Einige Studien deuten daher darauf hin, dass eine glutenfreie Ernährung bestimmte Laborparameter bei Patientinnen und Patienten mit Hashimoto verbessern könnte. Die Datenlage ist jedoch begrenzt und erlaubt es nicht, einen Verzicht zu empfehlen, wenn keine diagnostizierte Zöliakie oder nachgewiesene Sensitivität vorliegt.
Anpassen statt verbieten
Bei Schilddrüsenstörungen geht es nicht darum, möglichst viele Verbote aufzustellen, sondern die Lebensmittelgruppen gezielter zu bestimmen, die eingeschränkt werden sollten:
- goitrogene Lebensmittel stellen nur bei übermäßigem Verzehr und insbesondere roh ein Problem dar
- Soja sollte bei Hypothyreose überwacht werden
- Jod erfordert ein feines Gleichgewicht, weder zu viel noch zu wenig
- ultra‑verarbeitete Lebensmittel fördern ein ungünstiges entzündliches Milieu
- Gluten betrifft vor allem autoimmune Formen, die mit einer Zöliakie einhergehen
Anders ausgedrückt: Eine abwechslungsreiche, wenig verarbeitete und an die Art der Störung angepasste Ernährung (Hypothyreose, Hyperthyreose oder Hashimoto) bleibt die sinnvollste Strategie.
Bei Schilddrüsenstörungen empfehlen wir Ihnen zusätzlich zur ärztlichen Betreuung eine ernährungsmedizinische Begleitung durch eine Fachkraft, um unnötige und mitunter kontraproduktive Einschränkungen zu vermeiden.
Quellen und wissenschaftliche Studien
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