Folgt man der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO), so sind Probiotika „lebende Mikroorganismen, die, wenn sie in ausreichender Menge verabreicht werden, einen gesundheitlichen Nutzen bringen“. Man findet sie in unserer Ernährung oder in Form von Nahrungsergänzungsmitteln.
Sie kommen der Darmmikrobiota zu Hilfe, die aus der Gesamtheit der Mikroorganismen besteht, die bereits in unserem Verdauungssystem vorhanden sind.
Unter anderem wird ihnen ein Nutzen bei der Linderung von Verdauungsbeschwerden, von Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Antibiotika oder auch im Rahmen einer Gewichtsabnahme zugeschrieben.
Unter diesen Vorteilen hört man häufig, dass Probiotika das Immunsystem unterstützen könnten. Aber wie sieht es wirklich aus?
Bevor wir ins Detail gehen, möchte ich daran erinnern, dass Probiotika auf keinen Fall Medikamente sind. Dennoch sollten sie mit Vorsicht eingenommen werden, und ich empfehle Ihnen, vor jeder Kur mit einer Gesundheitsfachkraft darüber zu sprechen.
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Darmmikrobiota und Immunität: ein heute gut belegter Zusammenhang
70 bis 80 % der Immunzellen sitzen im Darm
Man sagt oft, dass der Darm das zweite Gehirn ist. Aber wussten Sie, dass er auch für das einwandfreie Funktionieren Ihres Immunsystems unverzichtbar ist?
Heute weiß man, dass 70 bis 80 % der Immunzellen des Körpers sich auf Darmniveau befinden, insbesondere im GALT (Gut‑Associated Lymphoid Tissue).
Dieses lymphoide Gewebe beherbergt verschiedene Immunzellen (Lymphozyten, Plasmazellen, Makrophagen). Es stellt außerdem einen Hauptort der Antikörperproduktion dar, der es dem Organismus ermöglicht, sich gegen Krankheitserreger zu verteidigen.
Parallel dazu wirkt auch das Darmmikrobiom aktiv an der Immunität mit. Experimentelle Studien zeigen insbesondere, dass Mäuse, die ohne Mikrobiom aufgezogen werden, eine Unreife des darmassoziierten Immunsystems und eine weniger wirksame Antwort auf Krankheitserreger aufweisen.
Eine weitere Studie, über die das Inserm berichtet, bestätigt, dass das Fehlen oder die Unreife des Mikrobioms mit einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen einhergeht, insbesondere zu Beginn des Lebens.
Gestörte Mikrobiota, beeinträchtigtes Immunsystem
Das ist noch nicht alles. Das Mikrobiom produziert außerdem nützliche Metaboliten, sogenannte kurzkettige Fettsäuren (SCFA), bei der Verstoffwechselung bestimmter Ballaststoffe aus der Nahrung. Wissenschaftliche Übersichtsarbeiten berichten, dass diese Moleküle dazu beitragen, die Darmbarriere zu stärken und die Expression der an der Immunantwort beteiligten Gene zu beeinflussen.
Wenn das Mikrobiom hingegen gestört ist, wird die Interaktion mit dem Immunsystem beeinträchtigt. Studien haben außerdem einen Zusammenhang zwischen Dysbiose und Immunstörungen aufgezeigt, mit einer erhöhten Anfälligkeit für entzündliche oder autoimmune Erkrankungen.
Probiotika und Immunität: Welche Wirkmechanismen gibt es?
Sie stärken die Darmbarriere
Die heute am besten belegte Wirkung von Probiotika ist ihre Beteiligung an der Stärkung der Darmbarriere.
Aktuelle Forschungsarbeiten, insbesondere eine Metaanalyse von 26 klinischen Studien, deuten darauf hin, dass probiotische Stämme von Lactobacillus und Bifidobacterium dazu beitragen können, die Integrität dieser Barriere zu verbessern.
Die Studie zeigte außerdem, dass die Einnahme von Probiotika die Häufigkeit derselben Stämme von Bifidobacterium und Lactobacillus im Darmtrakt erhöht, was dazu beiträgt, das Übertreten von Endotoxinen in den Blutkreislauf zu begrenzen.
Ich möchte dennoch betonen, dass die Autoren auf den Bedarf an weiteren Studien hinweisen, um die Wirkung jedes Stammes auf den Organismus je nach Dosis und Individuum besser zu präzisieren.
Sie modulieren die Immunantwort
Probiotika wirken nicht nur auf die Darmflora: Sie könnten auch direkt mit den immunologischen Darmzellen interagieren.
Konkret könnten bestimmte probiotische Stämme, wenn sie mit der Darmschleimhaut in Kontakt kommen, mit den lokalen Immunzellen interagieren und die Produktion von Zytokinen und IgA-Antikörpern beeinflussen. Das ist jedenfalls das Fazit dieser wissenschaftlichen Studie.
Probiotika würden also dazu beitragen, die Abwehrkräfte zu stärken und gleichzeitig unnötige Entzündungsreaktionen zu begrenzen.
Neue Studien könnten interessant sein, um die zugrunde liegenden Mechanismen besser zu verstehen.
Sie beeinflussen die Produktion von Metaboliten
Ich habe außerdem einige Studien gefunden, die zeigen, dass Probiotika die Produktion von SCFA – dieser für das Immunsystem vorteilhaften Metabolite – anregen würden. Die Mechanismen sind jedoch bisher noch nicht geklärt.

Welche Probiotika-Stämme sollte man bevorzugen, um das Immunsystem zu unterstützen?
Nicht alle Probiotika haben die gleiche Wirkung. Die Forschungsarbeiten, die Vorteile zeigen, haben genau bestimmte Stämme in genau festgelegten Dosierungen verwendet. Daher ist nicht jedes beliebige Probiotikum unbedingt geeignet, um Ihre natürlichen Abwehrkräfte zu stärken.
Die am besten untersuchten Stämme für das Immunsystem sind Bifidobacterium– und Lactobacillus-Stämme.
Praktisch gesehen empfehle ich Ihnen vor allem, auf Folgendes zu achten:
- das Vorhandensein von eindeutig identifizierten Stämmen
- eine ausreichende Dosierung, ausgedrückt in koloniebildenden Einheiten (mindestens 1 Milliarde KBE)
- eine geeignete Formulierung (zum Beispiel magensaftresistente Kapseln)
- und eine Auswahl im Einklang mit Ihren Bedürfnissen.
Wenn Sie sich bei der Wahl des Stammes nicht sicher sind, sprechen Sie mit einer medizinischen Fachkraft.
Nach der aktuellen wissenschaftlichen Literatur besteht tatsächlich ein Zusammenhang zwischen Probiotika und der Unterstützung des Immunsystems, und zwar über die Stärkung der Darmbarriere und die Modulation der Immunantwort.
Dennoch sind diese Effekte weder systematisch noch universell. Sie hängen von vielen Faktoren und von jedem einzelnen Individuum ab. Ich lade Sie daher ein, Probiotika als ergänzendes Hilfsmittel zu verwenden, parallel zu einem guten Lebensstil und einer angepassten Ernährung.
Quellen und wissenschaftliche Studien
- Oyovwi, M.O., Ajayi, A.F. (2025) Eine umfassende Übersicht über immunologische Mechanismen und Darm-Hirn-Wege, die die Darmgesundheit mit neurologischen Störungen verbinden.
- Valentine Boutherin, Florence Piastra-Facon und Emma Risson (2019), Die Darmmikrobiota, ein wichtiger Modulator der Immunphysiologie
- Zeng, JingjingHe, ZimengWang, GuoqingMa, YuxinZhang, Feng (2025), Molekulare Mechanismen, biologische Funktionen, Krankheiten und neue therapeutische Möglichkeiten
- Fatima, S. N., Arif, F., Khalid, R., Khan, M., & Naseem, K. (2025). Immunmodulatorische Rolle der Darmmikrobiota bei Autoimmunerkrankungen und Fortschritte in darmmikrobiotabasierten therapeutischen Strategien.
- Yanfei Zheng et Al. (2023), Probiotika stärken die Funktion der Darmbarriere: eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse randomisierter Studien
- Mazziotta C, Tognon M, Martini F, Torreggiani E, Rotondo JC. (2023) Wirkmechanismus von Probiotika auf Immunzellen und positive Effekte auf die menschliche Gesundheit.
- Liu Y, Wang J, Wu C. (2022) Modulation des Darmmikrobioms und des Immunsystems durch Probiotika, Präbiotika und Postbiotika.

